00:00:05: Krankenhäuser im Dialog, der Gesundheitspolitische
00:00:08: Podcast
00:00:09: der DKG.
00:00:10: Ausführlich konstruktiv, kontrovers aber auch spannend und praxisnah!
00:00:19: Heute begrüße ich ganz herzlich Frau Prof.
00:00:23: Dr.
00:00:23: Claudia Hövener bei uns zur aktuellen Podcast-Folge.
00:00:28: Herzlich willkommen, Frau
00:00:29: Prof.,
00:00:30: schön dass Sie da sind.
00:00:31: Vielen Dank, ich freue mich hier zu sein.
00:00:33: Sie sind Professorin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und beschäftigen sich seit vielen, vielen Jahren schon in anderer Tätigkeit auch mit dem Thema Soziökonomischer Status und Gesundheit.
00:00:49: Welchen Einfluss haben die Lebensverhältnisse der soziökonomischen Status auf?
00:00:55: Möglichkeit gesund zu sein, gesund zu bleiben.
00:00:59: Wir sind Chancen auch unterschiedlich verteilt.
00:01:01: Ich glaube das kann man so ein bisschen zusammenfassen ist Ihre Aufgabe die Sie seit vielen, vielen Jahren machen.
00:01:07: Sie haben einen ganz interessanten Lebenslauf und meine Bitte an sie vielleicht stellen Sie sich kurz selbst mal vor was haben Sie eigentlich zunächst mal an Ausbildung gemacht?
00:01:18: Und welche Schritte waren dann ja sozusagen auf ihrem Weg, auf ihrer Erwerbsbiografie bis sie jetzt Professorin an der Hochschule geworden sind.
00:01:29: Sehr gern!
00:01:30: Ich fasse mich kurz.
00:01:32: Also ich habe zunächst nach meinem Abitur In NRW eine Ausbildung gemacht in der Krankenpflege und war dann examinierte Krankenschwester, hieß es damals noch.
00:01:45: Und habe noch relativ lange in der Pflege gearbeitet erst auf einer örologischen Station und später auf einer Intensivstation.
00:01:54: Und während dieser Zeit habe ich begonnen, ehrenamtlich in der AIDS-Silfe zu arbeiten.
00:01:59: Und diese Arbeit in der ACE-SILFE Prävention aber auch Beratung hat mich motiviert ein bisschen in eine andere Richtung zu gehen.
00:02:07: Ich hab mich viel damit beschäftigt.
00:02:08: Wie könnten wir denn verhindern dass die Menschen hier auf der Intensivstation ankommen?
00:02:12: Das war dann sozusagen So die Grundidee und deswegen habe ich dann Gesundheitswissenschaften an einer Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg studiert.
00:02:25: Ich war dann in San Francisco, hab dann Praktikum gemacht und bin dann der Liebe wegen dort erst mal geblieben Menschen mit HIV und Frauen ohne Krankenversicherung, die Brustkrebs hatten.
00:02:39: Und habe da Gesundheitsförderung mit diesen Menschen gemacht.
00:02:43: Vorher auch in Hamburg schon Gesundheitsfördern und Präventionen mit jungen Frauen, die Drogen gebraucht haben und in der Sexarbeit tätig waren – also immer eher als marginalisiert geltende Gruppen, die wirklich sehr benachteiligt
00:02:57: waren.".
00:02:58: Dann bin ich nach Deutschland zurück und dann nach Berlin gegangen.
00:03:03: Und habe dort ein Master gemacht in Public Health, das war ein internationaler Studiengang, wo ich mich – also meine Masterarbeit habe ich geschrieben auch wieder zu HIV-Prevention, immer dieses Thema Prävention, Gesundheitsförderung in der Sexarbeit und hab danach dann fünfzehn Jahre am RKI gearbeitet.
00:03:24: Erst ... als wissenschaftliche Mitarbeiterin erst im HIV-Bereich und dann immer an dieser Schnittstelle gesundheitliche Ungleichheit, Migration und Gesundheit und Diskriminierung und Gesundkeit.
00:03:37: Und bevor ich dann an die Hochschule gewechselt bin... habe ich vier Jahre lang ein Fachgebiet geleitet, also wir waren zwanzig Menschen und haben zu gesundheitlicher Ungleichheit geforscht am Robert-Koch-Institut.
00:03:51: Ja und jetzt bin ich an der Hochschule und beschäftige mich mit vielen Studierenden was auch eine tolle Aufgabe ist vor allem der sozialen Arbeit unter Gesundheitswissenschaften.
00:04:00: Ja, ich glaube es wird deutlich aus dem was Sie berichten dass sie nicht nur theoretisch sondern auch praktisch mit diesen Gruppen gearbeitet haben.
00:04:09: Auch erlebt haben wie sich soziale Ungleichheit auswirken kann auf gesundheitliche Situationen und auf gesund leidliche Chancen.
00:04:18: Sie haben im Vorgespräch gesagt da gibt's doch ganz viele Daten die das eigentlich alles belegen.
00:04:25: Was sind die wesentlichen Erkenntnisse Frau Höbener wo man sagen kann also Das ist eigentlich klar, hier gibt es bestimmte Gruppen.
00:04:33: Die haben Nachteile die denen geht's schlechter ums mal so zu formulieren gesundheitlich schlechter und das hat auch was mit ihrem socioökonomischen Status zu
00:04:42: tun.
00:04:43: Genau ich glaube also ich könnte sehr viel dazu sagen.
00:04:46: ich versuche das jetzt mal zusammenzufassen.
00:04:49: generell sehen wir dass Armut ein geringes Einkommen zum Beispiel mit einer höheren Mortalität, also dass Menschen sterben eher oder auch Morbidität.
00:05:01: Also mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für ganz viele Erkrankungen einhergeht.
00:05:06: In Bezug auf die Mortalität sehen wir einen Unterschied zwischen den Menschen, die am wenigsten Einkommen haben und denen die am meisten Einkommen habe von neun Jahren bei Männern und ungefähr fünf Jahren bei Frauen.
00:05:20: Das heißt, Menschen die ärmer sind sterben einfach eher.
00:05:23: Das können wir schon mal so sagen.
00:05:25: Wir sehen auch bei ganz vielen klassischen chronischen Erkrankungen Herz-Kreislauferkrankungen Diabetes aber auch bei Depressionen Sehen wir, dass Menschen, die in Armut leben, häufiger betroffen sind von diesen Erkrankungen.
00:05:40: Und woran liegt das?
00:05:41: natürlich an einem sicherlich andere Sursen?
00:05:44: Also das heißt an Geld.
00:05:47: ich kann mir nicht alles leisten was sich andere leisten können oder aber auch ich habe vielleicht auch nicht die Bildung.
00:05:54: oft geht es mit einher um auch zum Beispiel andere Perspektiven auf dem Jobmarkt zu haben und so weiter.
00:06:02: Das Zweite sind sicherlich die Lebensbedingungen, die mit Armut einhergehen.
00:06:07: Das heißt meine Arbeitssituation ist meist natürlich prekärer oder schwieriger häufiger das Heben von schweren Lasten
00:06:15: z.B.,
00:06:17: aber auch Schichtarbeit usw.. Und auch Wohnverhältnisse ist da ganz wichtig.
00:06:24: Das haben wir in der Covid-Pandemie zum Beispiel gesehen, dass Menschen die beengt gelebt haben besonders betroffen waren und wir wissen das auch wenn wir hier in Berlin sind.
00:06:34: ich arbeite ja im Hellersdorf wo sehr viele Plattenbauten sind.
00:06:38: Wenn ich dort lebe oder ob ich in Steglitz in einer Villa lebe das ist natürlich ein gravierender Unterschied.
00:06:43: und das dritte ist die psychosoziale Situation, die Stressoren.
00:06:49: Das heißt wenn ich weniger Geld habe, hab' ich mehr Stress.
00:06:52: Denn ich muss irgendwie versuchen meine Miete zu zahlen und so weiter... Wenn ich dann womöglich auch noch Kinder habe oder alleinerziehend bin wir sehen das zum Beispiel Alleinerziehende sehr amutsgefährdet sind Ist es noch schwieriger?
00:07:05: Oder auch, wenn ein großer Stress auf psychosoziale ist, auf Diskriminierungserfahrung.
00:07:11: Wie zum Beispiel rassistische Diskriminierung oder auch andere Diskriminierungsformen und das wiederum macht auch krank.
00:07:19: Das wissen wir!
00:07:20: Und so würde ich sagen, dass es jetzt versucht, also psychosoziale Faktoren die Lebenssituation und die Ressourcen sind.
00:07:28: wahrscheinlich, was sozusagen mit dieser erhöhten Morbidität anhergeht.
00:07:34: Also Sie haben das glaube ich auch für unsere Zuhörerinnen und Zuhöre sehr nachvollziehbar beschrieben wie die Lebensumstände dieser Menschen dann einfach herausfordert da auch sind und sich dann auch gesundheitlich niederschlagen.
00:07:47: und wenn man die Unterschiede in der Lebenserwartung sich anschaut neun Jahre das ist ja wirklich krass enorm Man sieht es zum Teil ja auch regional.
00:07:57: Also stellt sich dann für mich auch die Frage, hat das auch etwas damit zu tun?
00:08:02: Das beispielsweise im Osten Deutschlands, die Lebenserwartung niedriger ist als zum Beispiel im Südwesten?
00:08:07: oder wenn man es dann mit der Schweiz vergleicht nochmal ein Stück weit einen Unterschied.
00:08:12: Sind das auch sozusagen folgend sozialer Ungleichheit in diesen Regionen?
00:08:17: Spannende Frage!
00:08:19: Ja, das ist so und da haben wir tatsächlich am RKI eine Untersuchung zu gemacht – also die Kreise in Deutschland.
00:08:28: auf Kreisbasis schauen, wie benachteiligt ist ein Kreis.
00:08:31: Und wenn wir dann die Lebenserwartung darüber legen sehen wir wieder dass die besonders benachteilegten Kreise auch die geringste Lebenserwartungen haben.
00:08:40: und da sehen wir vor allem im Osten sehr viele benachteilligte Kreise aber auch in einigen Regionen im Westen.
00:08:46: also klassische Beispiele sind immer so um Bremerhaven herum oder auch Duisburg Teilweise Teile des Saarlands, da sehen wir das auch.
00:08:57: Dass dort die Lebenserwartung geringer ist und dass es sicherlich zurückzuführen... Also wir bilden einen Index der besteht aus Indikatoren oder aus Themenbereichen im Bereich Beschäftigung wie zum Beispiel Arbeitslosenquote geht damit rein in den Bereich Bildung, zum Beispiel Schulabgänge oder Abbrüche und auch im Bereich Einkommen.
00:09:21: Da können wir das Einkommen sozusagen mit reinnehmen.
00:09:24: untersehen wir wirklich wieder, dass diese Vaktoren offensichtlich einen gravierenden Einfluss haben.
00:09:31: Also ganz große regionale Unterschiede und wie sehen sie auch weltweit?
00:09:36: Es ist doch wahrscheinlich so das jetzt nicht der einzelne Faktor entscheidend ist sondern wahrscheinlich die Kommulation.
00:09:42: also wenn Sie sagen Armut und Gesundheit Lebensverhältnisse Wohnverhältnisse Arbeits Verhältnisse dann ist es wahrscheinlich so Menschen, die weniger verdienen, geringere und kleinere Wohnungen haben in beängteren Situationen.
00:09:59: Vielleicht noch einen Nebenjob machen müssen um irgendwie über die Runden zu kommen und ähnliches.
00:10:05: ist man in der Lage das dann auch sozusagen diese Kumulation genauer noch zu identifizieren um die besonderen Risikogruppen ich nenne es mal so zu identifikieren um möglicherweise da auch anzusetzen.
00:10:19: Ja, also es gibt Studien die zeigen dass sozusagen diese Mehrfach-Benachteiligung nicht nur in Aditiven sondern sogar fast einzig multiplizieren.
00:10:28: Also wirklich einen höheren Effekt noch mal haben, die potenzieren sich schon fast.
00:10:33: Wobei das schwer ist das immer ganz genau in Zahlen zu fassen weil es natürlich auch wieder ein bisschen immer drauf an auf die jeweilige Lebenssituation drauf ankommt.
00:10:43: Also jetzt zum Beispiel pauschal zu sagen, oh, Alleinerziehung – also Alleinerziehne wir sehen einen Unterschied in der Alleinerziehenengesundheit.
00:10:50: aber da sehen wir z.B auch dass Alleineziehende mit einem höheren Einkommen oder einer höheren Bildung und mit höhere sozialer Unterstützung gar keine gesundheitlichen Nachteile haben.
00:11:01: Da müssen wir mal aufpassen mit den Pauschalisierungen.
00:11:03: Aber ja wir sehen das und da gibt es auch Studien dazu Konzept der Intersektionalität.
00:11:10: Dass wir sozusagen Intersektionen oder Überschneidungen, können wir auch einfach sagen von Belastung haben und die führen dann dazu dass die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen noch höher sind und das die Belastungen höher sind.
00:11:21: Und das führt ja dann im Endeffekt häufig.
00:11:24: vor allem sehen wir zuerst häufig in den bei dem psychischen Erkranken und dann sehen wir es irgendwann aber auch an den körperlichen Erkankungen.
00:11:32: also belastungsfaktoren sind eigentlich so das zentrale.
00:11:36: jetzt Könnte man ja sagen, Mensch in Deutschland.
00:11:39: Wir haben doch ein Gesundheitswesen was auch international von der OECD immer wieder besonders gelobt wird für seinen Zugang.
00:11:46: also wir haben hier in Deutschland einen relativ breiten Zugang.
00:11:51: die allermeisten Menschen sind krankenversichert es gibt in der Tat ganz wenige oder doch im relativ geringen Teil der Bevölkerung oftmals ins menschen ohne Wohnsitz die keine Krankenversicherung haben aber die Allermeisten Grunde nach Zugang zur Unterstützung, aber auch da scheint es ja Probleme zu geben.
00:12:13: Ist das auch Teil ihrer Forschung und ihrer wissenschaftlichen Arbeit?
00:12:18: Ja, auf jeden Fall.
00:12:20: Also zum einen ist natürlich das Gesundheitswesen in Deutschland wie Sie schon gesagt haben ich habe ja in den USA gearbeitet da waren die Menschen sehr erstaunt wie toll denn das Gesundheitssystem hier ist und was es alles für Möglichkeiten eigentlich fast alle gibt außer natürlich Menschen jetzt ohne papiere Wohnungslose und so.
00:12:37: also es gibt natürlich Gruppen die dann nicht drin sind aber die meisten haben natürlich die Möglichkeit oder sind krankversichere.
00:12:45: Das eine ist zwei Punkte dass das Gesundheitswesen oder die Gesundheitsversorgung natürlich nur ein Teil von Gesundheit ist.
00:12:54: Das heißt, so ein bisschen die Wartung und Reparatur.
00:12:59: Wir empfinden uns auch oftmals als Reparaturen.
00:13:02: Ich meine es gar nicht böse aber das heißt, dass vieles natürlich davor entsteht.
00:13:07: Aber zudem gibt es auch Zugangsprobleme und damit beschäftigen wir uns wirklich anzuschauen was gibt's denn für Barrieren?
00:13:15: Warum gehen Menschen nicht in die Versorgung oder auch schon nicht in der Vorsorge.
00:13:21: Da fängt es ja schon an, Wartung!
00:13:24: Also das heißt wir sehen dass bestimmte Screeninguntersuchungen seltener in Anspruch genommen werden von bestimmten Gruppen und das sind auch wieder oft Menschen die in Armut leben, Menschen mit einer geringeren Bildung oder auf Menschen die sprachlich Probleme haben zum... Zugang zu bekommen.
00:13:41: Und das können wir uns sicherlich lange auch zur Migration und Gesundheit geforscht, natürlich auch vorstellen dass es nicht so einfach ist.
00:13:49: Sprachmittlung ist nicht Teil der gesetzlichen Krankenversicherung und nicht immer verfügbar und das kann schwierig sein.
00:13:56: ebenso sowas wie Diskriminierungserfahrung im Gesundheitswesen haben viele Menschen schon gemacht und dann ist die Wahrscheinlichkeit dann wieder sozusagen ins Gesundheitssystem zu gehen, geringer.
00:14:11: Aber natürlich... Zudem kommt auch sicherlich, dass Menschen nicht unbedingt von bestimmten Angeboten wissen.
00:14:19: Dass sie damit nicht wirklich erreicht werden oder nicht genau verstehen.
00:14:22: warum sollte ich denn zu diesem Screening gehen?
00:14:24: Oder wir wissen allerdings das die meisten Menschen hausärztlich angebunden sind.
00:14:28: also das ist schon so, dass wir gesehen haben die hausärtliche Inanspruchnahme da gibt es gar nicht so große Unterschiede.
00:14:35: Das sind die meisten drin.
00:14:38: Aber sobald es an fachärztliche Versorgung geht, sehen wir einen großen Unterschied je nach Einkommensspanne.
00:14:45: Jetzt haben wir in Deutschland ja wohl ohnehin im internationalen Vergleich zumindest im Vergleich zu ähnlich entwickelten Ländern ein Nachholbedarf beim Thema Prävention.
00:14:56: das kann man glaube ich insgesamt so sagen.
00:14:58: wir haben ja in Deutschland auch eher nur eine durchschnittliche oder vielleicht sogar in Teilen unterdurchschnittlich Lebenserwartungen über alle hinweg.
00:15:07: nochmal deutlicher dann bei den Gruppen, über die wir uns eben unterhalten haben.
00:15:13: Ist das möglicherweise auch ein zentrales Thema dieser Mangel an wirklich guter Präventionsarbeit?
00:15:23: Die dann natürlich auch gar nicht bei denjenigen ankommen kann – über die jetzt hier gerade sprechen.
00:15:28: auf der anderen Seite, diejenigen, die hohe Bildung haben, gutes Einkommen Die beschaffen sich ihre Prävention selbst und können damit ein Stück weit Nachteile ausgleichen, die das System auch für sie so nicht bietet.
00:15:43: Ist das eine These, die Sie so unterschreiben würden?
00:15:47: Ja, das würde ich unterschreiben.
00:15:50: also dass sozusagen wir sehen das mit prävention also das einmal wie mit Prävenzion ein bisschen hinterher hängen und auch mit Gesundheitsförderungs angeboten und allgemein und medizinische Prävention schauen und nicht unbedingt weitergehend, also in den Lebenswelten der Menschenprävention andocken.
00:16:10: Und ich sehe das auch so wie wir reden jetzt zum Beispiel vom Präventionsparadox wo wir sehen dass Menschen also das zum Beispiel einige der Kassenkurse die natürlich super sind aber dass sie vor allem in Anspruch genommen werden wieder von hochgebildeten Personen die eigentlich gar keine Unterstützung Die könnten sich das auch selber finanzieren und organisieren, wie Sie schon gesagt haben.
00:16:33: Und deswegen versuchen die Kassen ja jetzt auch Angebote also Projekte zu initiieren gerade dort wo Menschen nicht so gut erreicht werden um sie besser einzubinden.
00:16:45: nur oft sind Projektes sind ja immer... Also haben nur eine bestimmte Laufzeit und laufen auf dann über drei Jahre und da muss glaube ich noch viel getan werden.
00:16:55: in dieser Wirklich lebensweltnah, also Lebenswelt klingt immer so abstrakt.
00:17:00: Aber wirklich da wo die Leute ... Wo sie arbeiten?
00:17:03: Wo sie wohnen?
00:17:04: Wo sich aufhalten?
00:17:05: Wo Sie altern?
00:17:07: Da!
00:17:08: Das sind halt genau die Interventionen, die funktionieren.
00:17:11: Und am besten auch so dass sie gemeinsam mit den Menschen um dies geht entwickelt werden damit wir verstehen was brauchen die denn überhaupt für Prävention?
00:17:20: Was würde funktionieren?
00:17:22: also wenn ich zum Beispiel sage so Ich biete jetzt im Nachbarschaftshaus einen Anti-Stresskurs Für Alleinerziehende an Wenn ich denen ohne Kinderbetreuung anbiete ist es wahrscheinlich nicht so richtig sinnvoll.
00:17:34: Also sag' ich jetzt mal und Da ist es sinnvoll, ins Gespräch zu gehen mit den Menschen um die es geht.
00:17:41: Und nicht einfach irgendwelche Angebote zu machen, die dann oft nicht wirklich funktionieren oder die Bedarfe der Menschen nicht so richtig adressieren.
00:17:51: Jetzt sind Sie ja schon lange im Thema drin und verfolgen die Daten.
00:17:55: Ist das eigentlich besser geworden?
00:17:57: Wir haben ja wie so oft auch an dieser Stelle wohl kein Erkenntnisproblem.
00:18:01: Hat man aus diesen Erkenntnissen ... Seit vielen, vielen Jahren geht wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten international auch.
00:18:08: Hat man daraus eigentlich Schlüsse gezogen die auch wirksam sind?
00:18:13: Ja das ist eine sehr gute Frage.
00:18:15: ich würde sagen ja ein weil Ich finde das auch, ich möchte auf keinen Fall die Politik schimpfen.
00:18:23: Es ist aber natürlich sehr komplex.
00:18:26: wenn wir Gesundheit angehen wollen also wenn wir gesundheitliche Ungleichheiten angehen wollen können wir nicht nur kann ich nur der Gesundheitssektor machen Wir brauchen andere Sektoren Das heißt wir müssen zusammen mit Bildung Mit Stadtentwicklung Mit Arbeit Also weil wir ja die Lebensbedingungen ändern müssten eigentlich Und das ist natürlich relativ komplex, vor allem auf Bundesebene.
00:18:52: Wo das aber oft schon ganz gut funktioniert, ist auf der kommunalen Ebene weil es dort oft leichter ist sich zu vernetzen.
00:18:59: und es gibt sehr gute Beispiele für Gesundheitsförderung wirklich im Quartier die gut funktioniert.
00:19:06: also so Projekte wie die Stadtteilmütter in Berlin wo wirklich Mütter mit Migrationserfahrung geschult werden, um andere Menschen mit Migrationserfahrungen zu gesundheitlichen Themen sozusagen zu informieren und sie zu vermitteln.
00:19:24: Die funktionieren wirklich richtig gut!
00:19:26: Ist das dann eine ich frag mal provokativ gefühlte positive Entwicklung oder kann man sowas auch messen?
00:19:32: Sie haben vorhin gesagt dass die auf Landkreisebene Daten erheben und schauen okay wie ist da die Situation?
00:19:40: Kann man dem Grunde nach erkennen, wenn sich ein Landkreis eine Kommune besonders engagiert, dass es da echte Fortschritte gibt im gesundheitlichen Status der Menschen?
00:19:50: Das könnten wir vielleicht sehen.
00:19:52: Wir sehen das in Deutschland nicht.
00:19:53: Es gibt aber zum Beispiel in UK gab's mal ne Strategie wo wirklich versucht wurde gesundheitliche Ungleichheit zu bekämpfen sehr gezielt mit verschiedenen Sektoren.
00:20:03: Da sahen wir das in unterschiedenden Lebenserwartungen ja.
00:20:07: Aber leider wurde das auch nicht weitergemacht.
00:20:10: Genau, deswegen sehen wir jetzt wieder eine Reduktion in der Lebenserwartung.
00:20:16: Aber es ist natürlich komplex die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen und Gesundheitsförderungsmaßnahme zu messen.
00:20:23: Es ist wirklich schwierig, weil wir oft nicht so kausal sein können.
00:20:27: Wir wissen nicht war das jetzt wirklich diese Intervention, die die Gesundheit der Person beeinflusst hat?
00:20:33: Weil noch viele andere Dinge Gesundheit beeinflussen.
00:20:38: Das müsste dann wirklich ein groß angelegtes Konzept sein.
00:20:41: Dann könnten wir sagen, dieses Konglomerat von verschiedenen Maßnahmen hat geholfen.
00:20:47: Wir könnten aber auch nicht sagen, Maßnahme X hat besonders geholpen bzw... Es kommt auch hier wieder darauf an, wenn die nicht individuell wirken.
00:20:57: Wenn es sowas ist wie Steuerliche... Also wenn wir Werbungsverbote sehen zum Beispiel oder wir sehen die Tabak-Kontrollpolitik da sehen wir schon eine Abnahme im Rauchen.
00:21:07: das waren aber auch wieder verschiedene Maßnahmen die sozusagen implementiert werden.
00:21:11: dann sehen wir das.
00:21:13: Aber bis wir Unterschiede in der Lebenserwartung sehen ist wirklich da braucht's große Bemühungen.
00:21:19: Aber jetzt mal, um mal bei diesem Beispiel zu bleiben.
00:21:21: Weil sie Rauchen angesprochen haben oder Alkohol oder Zucker sind ja immer so große Themen wo man sagt Mensch da müsste man noch mehr tun kann man sagen dass die benachteiligten Gruppen auch bei diesen Themen sozusagen weniger weit sind.
00:21:42: Ich weiß nicht, ob es der richtige Begriff ist.
00:21:43: also wo man sagt Tabakonsum bei denjenigen die soziökonomisch benachteiligt sind ist höher Alkohol-Konsum ist höher Zuckerkonsum kann man sowas... Ist das korrekt?
00:21:56: Das ist teilweise korrektoralkohol.
00:21:58: Konsum ist ganz interessant.
00:21:59: da gibt's eine Gruppe die ein bisschen rauswählt das sind die gut gebildeten Frauen.
00:22:03: Also bei Frauen ist es nicht so.
00:22:04: beim Männern ist so.
00:22:05: beim Frauen ist das nicht ganz so.
00:22:07: dass es so ist Ja, wir müssen uns natürlich hier auch wieder angucken sage ich dann aus Public Health Perspektive.
00:22:15: Na ja warum ist das so?
00:22:17: Also ist es so weil die Leute sich schädigen wollen?
00:22:20: wahrscheinlich nicht.
00:22:21: Ich unterstelle mal allen dass sie eigentlich gesund leben wollen.
00:22:25: sind es nicht auch wieder die Lebensbedingungen die das befürworten?
00:22:28: Wir sehen zum Beispiel viel mehr Werbung für solche Produkte.
00:22:32: Das ist interessant.
00:22:34: wenn wir schauen auch wieder welche Bezirke sind besonders arm, dann sehen wir in diesen Bezirkenden ärmeren BezIRken mehr Werbung für zuckerhaltige Getränke, für Alkohol und so.
00:22:48: Da gibt es ein paar Arbeiten zu – nicht aus Deutschland aber in Deutschland ist das genau.
00:22:54: Oder wir sehen natürlich auch dann wieder mehr Stress
00:22:58: usw.,
00:22:59: deswegen Das ist ja unsere Perspektive, also unsere als aus Public Health-Ebene.
00:23:06: Wir dürfen nicht nur das Individuum verantwortlich machen für die Wahl, die die Person trifft, die wir ihr sozusagen sagen sie hat diese Wahl sondern auch die Bedingungen.
00:23:16: Machen es echt schwierig!
00:23:19: Als würde ich gegen den Strom schwimmen viel mehr gegen den Sturm während die Leute, die ein höheres Einkommen haben mit im Flow sind und das macht es schwierig.
00:23:30: Aber ja, was wir sehen ist das so etwas wie Tabak-Kontrollpolitik.
00:23:34: Also Steuern?
00:23:36: Maßnahmen sind die auf jeden Fall den Konsum in der Bevölkerung also da geht dann runter.
00:23:44: Das müsste ihr dann eigentlich die ärmeren Bevölkerungsgruppen auch nochmal besonders betreffen weil für die dann die Möglichkeit diese Produkte zu erwerben noch schwieriger werden.
00:23:56: jetzt fragt man sich natürlich sparen sie dann vielleicht an anderen Dingen die eigentlich gesundheitsförderlich wären, um sich noch die Zigaretten leisten zu können oder den Alkohol.
00:24:07: Deswegen würde ich auch sagen wenn wir Steuererhöhungen machen haben wir gibt es ja mehr Mittel und dann also das können wir nicht einfach so machen.
00:24:14: Das ist schon fast eine paternalistische Sichtweise.
00:24:21: Wir regeln das jetzt über Steuern sondern es braucht natürlich auch wieder Angebote Gesundheitsförderungsangebote um und auch in Schulen sehr früh Bildung, die erklärt warum ist das keine gute Idee.
00:24:36: Und was gibt es für Alternativen?
00:24:38: Hier zum Beispiel auch die Stadtteilmütter machen sowas ganz vorurteilsfrei aber erklären warum das so ist und dann braucht es gute Ausstiegsmöglichkeiten natürlich fürs Rauchen, die auch wieder da ansetzen wo die Leute sind.
00:24:54: Sie haben ja am Anfang unseres Gesprächs betont dass es vielfach so ist und das ist ja auch eine klarer Erkenntnis, dass die Gesundheitskompetenz in diesen Bevölkerungsgruppen nicht so entwickelt ist wie jetzt bei denen, die einen höheren Bildungsstatus haben.
00:25:12: Wo setzt man da idealerweise an um ein Stück weit eine nachhaltige Veränderung herzustellen?
00:25:18: Ist dann der richtige Ansatz bei den Kindern und Jugendlichen zu starten Sie sozusagen mitzunehmen, ihnen Dinge zu vermitteln.
00:25:29: Wo man manchmal die Hoffnung hat, die nehmen das vielleicht auch mit nach Hause wenn sie es im Kindergarten in einer Kindertagesstätte oder in der Schule so erleben ist.
00:25:36: Ist das korrekt?
00:25:39: sind es doch die Erwachsenen, bei denen man ansetzen muss oder beides.
00:25:42: Ja ich würde sagen eher beides in Schulen.
00:25:46: also Maßnahmen in Schulen sind immer aus meiner Sicht eine gute Idee weil wir natürlich dort alle Kinder erreichen.
00:25:52: das ist auch.
00:25:53: wenn wir zum Beispiel gesundes Schulessen für alle machen ist das auch etwas was alle Kinder erreicht.
00:25:57: eigentlich ganz einfach da können wir eine gewisse und dann können wir wirklich Gesundheitsförderung sozusagen wirklich gleicher machen so zu sagen Aber es wäre natürlich auch eine Möglichkeit, so ein Unterrichtsfach.
00:26:12: Also wo's wirklich um Gesundheit geht... Es gibt sogar auch verschiedene Krankenkassen haben dazu schon so richtige Programme aufgesetzt.
00:26:21: Das wär ne gute Idee aber dann fortlaufend nicht nur einmal sondern mehrfach weil wir wissen ja auch Kinder und Jugendliche entwickeln sich unter dem anderen Prioritäten je nach Alter.
00:26:31: Die Erwachsenen sollten mit einbezogen werden aber hier ist das wichtig nicht unbedingt über die Schule wirklich mit aufsuchender Arbeit, wenn es schwierig ist auch in den jeweiligen Sprachen und dann funktioniert das.
00:26:45: Wer wäre aus Ihrer Sicht der ideale Akteur um so etwas auf dem Weg zu bringen?
00:26:49: Sie haben vorhin die Kommunen angesprochen.
00:26:51: ich glaube das leuchtet jedem ein dass man je näher man dran ist jetzt zum Beispiel in der Kommune die Menschen auch erreichen kann.
00:26:58: sie haben die Krankenkassen angesprochen.
00:27:01: wer wäre der idealer Akteuer?
00:27:04: mal angenommen, wir hätten eine Stiftung für Prävention die übermittel verfügt auf die man zugreifen könnte um dann speziell auch für diese Bevölkerungsgruppen Angebote zu kreieren.
00:27:14: Wen würden Sie dabei auftragen?
00:27:16: Das ist ne gute Frage.
00:27:17: ich glaube das würde ein bisschen da würde ich mir die Akteurslandschaft angucken.
00:27:20: also ich glaub wirklich verschiedene Einrichtungen dienen guten Zugriff haben auf Menschen, die wir nicht mit den allgemeinen Maßnahmen gut erreichen.
00:27:32: Das ist jetzt ein bisschen Waage aber das können unterschiedliche, das können Vereine sein, das kann auch teilweise Gesundheitsämter sein, die auch einen guten Zuggriff haben.
00:27:43: in Frankfurt zum Beispiel gibt es eine humanitäre Sprechstunde wo bestimmte Personen hinkommen, die keine Krankenversicherung haben oder so.
00:27:52: ich glaube da geht's wirklich darum wirklich am an dem jeweiligen Ohr zu gucken, wer ist da ausgewiesen und auch verschiedene Akteurinnen und Akteure mit reinzubringen.
00:28:06: Sie haben das gerade so schön gesagt.
00:28:08: welchen Akteuer.
00:28:08: ich glaube was total wichtig ist es dass wir Akteuren noch besser vernetzen und zwar auf den verschiedenen Ebenen.
00:28:15: umso ein Verständnis für diese Thematik Aber auch für die Barrieren, die es gibt.
00:28:22: Zum Beispiel in der Versorgung.
00:28:24: um das zu begreifen müssen wir ins Gespräch gehen miteinander also Public Health dann aber auch soziale Arbeit die Medizin verschiedene Akteuren und Akteure aus diesen Arbeitsfeldern.
00:28:37: ich glaube das wäre total hilfreich um ein gemeinsames Verständnis zu bekommen weil mein Gefühl ist schon alle wollen eigentlich dass es den Menschen in Deutschland gut geht und dass sie so gesund sind wie möglich.
00:28:48: Aber oft sind einige dieser Probleme auch gar nicht so bekannt.
00:28:52: Und ich glaube, das wäre total hilfreich.
00:28:56: Lassen Sie es mal über die finanziellen Mittel reden?
00:28:58: Wir leben ja jetzt gerade in einer Zeit wo alles schwieriger wird also die Krankenkassen stehen unter Druck Beitragssätze erhöhen zu müssen.
00:29:07: Es gibt Einsparungen, die das Gesundheitswesen betreffen, wo man vielfach die Sorge hat dass Arzttermine knapper werden zu Wartezeiten kommen könnte und ähnlichem, etwas was wir in Deutschland ja so noch nicht kannten.
00:29:20: Und wo man natürlich auch die Sorge haben muss dass das genau auch die Gruppen härter trifft, die sich nicht so selbstbewusst im System bewegen können wie das vielleicht gut gebildete dann machen mit Kontakten und Netzwerken und ähnlichen.
00:29:34: Und gleichzeitig erleben wir auch, dass Kommunen massive Defizite vermelden, dass die Wirtschaft in die Pridolier kommt also insgesamt eher würde ich sagen, eine gewisse pessimistische Ausblick nach vorne.
00:29:51: Wie können wir jetzt hier vielleicht doch auch politisch dann am Ende ein Stück weit dagegen halten und zu sagen müssen aber jetzt aufpassen dass unter diesen Bedingungen jetzt solche Themen nicht unter die Räder
00:30:04: kommen?
00:30:06: Ja das ist also... Ich glaube es gibt schon ja so Ideen von wie viel Geld wir sparen würden, wenn wir in Prävention wirklich gut investierten und weniger Menschen im Gesundheitswesen später aufschlagen.
00:30:22: Weil das wissen wir natürlich, dass wenn die Menschen lange eine relativ gute Lebensqualität haben dann brauchen sie nicht so viele Versorgungen und es ist natürlich günstiger aber es ist leider noch zu komplex und es kommt nicht so richtig an.
00:30:37: ich glaube diese Botschaft einfach noch klarer zu vermitteln und in Länder zu schauen, wo diese Prioritätensitzung anders ist.
00:30:45: Wie z.B.
00:30:46: skandinavische Länder oder so – wo wir das sehen, wo es anders funktioniert?
00:30:50: Oder auch uns da ein bisschen Beispiel zu nehmen.
00:30:55: Ich glaube, dass könnte sehr hilfreich sein!
00:30:58: Wenn Sie jetzt die internationalen Beispiele ansprechen, wollte ich auch darauf zu sprechen kommen.
00:31:04: Das ist ja vernünftig zu gucken... Wo läuft es eigentlich besser?
00:31:07: Wo sehen wir, dass die Probleme besser gehandelt werden und dann auch die Ergebnisse besser sind als bei uns in Deutschland.
00:31:14: Wenn Sie jetzt Kandinavien ansprechen liegt es dann daran weil dort die Ungleichheit geringer ist als bei Uns in Deutschland?
00:31:22: oder liegt es daran das man diejenigen sozial benachteiligt sind, besser unterstützt und besser mitnimmt?
00:31:30: Das ist eine gute Frage.
00:31:32: Laut ich habe mit einem schwedischen Prof dazu gesprochen der so international Forschende meint das wäre beides.
00:31:39: aber natürlich hat erschienen zum Beispiel auch ne viel geringere Bevölkerungsanzahl.
00:31:46: es ist nicht unbedingt alles vergleichbar aber es gibt natürlich auch wenn wir uns ansehen zb auch in Bezug auf die Gleichstellung, also geschlechter Gleichstellungen und so weiter steht Schweden wesentlich besser da.
00:32:00: Was natürlich auch wieder ein Faktor ist der gesund hält, der eigentlich Gesellschaft gesund hält.
00:32:06: Und ich glaube es ist teilweise auch eine Haltung und das können wir uns glaube ich abgucken dazu versuchen anders zu agieren und momentan habe im politischen Kontext und in der Diskussion etwas schwierig.
00:32:22: Da geht es oft um Individualisierung, und da wird – ich verstehe es auch, das ist ja auch komplexen, aber da wird schon auch manchmal auf die Bürgerinnen und Bürger und deren Verantwortung gepocht, während die natürlich da ist.
00:32:36: Aber wir müssen natürlich auch die strukturelle Verantwortung für bestimmte Themen sehen.
00:32:42: Und da habe ich das Gefühl, da können wir noch ein bisschen daran arbeiten, dass Menschen sich wirklich unterstützt fühlen.
00:32:48: Ja, ich nehme das auch wahr.
00:32:50: Was Sie beschreiben?
00:32:52: Dass man jetzt sozusagen wieder in so eine Richtung geht... Die Leute sind selbst verantwortlich für ihr.
00:32:58: Ich nenne es jetzt einfach mal etwas Plastischlebensglück und müssen zusehen dass sie aus den Rahmenbedingungen die ihnen hier geboten werden eben dann das tun.
00:33:05: und wer das nicht macht der ist dann selbst schuld oder hat Pech gehabt.
00:33:08: ums mal ganz deutlich zu formulieren kommt, glaube ich nach meiner Wahrnehmung und stückweit auch aus der Situation die wir im Moment erleben wo viele sagen.
00:33:19: Der Staat hat in allen möglichen Lebensbereichen in den vergangen Jahren so viel reguliert und eingegriffen und uns beschränkt Wir wollen das jetzt nicht mehr Und dann auf die Idee zu kommen dass es aber eben Bereiche gibt wo der staat sich eigentlich stärker engagieren müsste.
00:33:37: Das ist dann auch etwas was quasi dieser Ja, diesen Mainstream, der da im Moment existiert und ein Stück weit entgegenläuft.
00:33:45: Erleben Sie das auch so?
00:33:46: Das könnte sein!
00:33:47: Ich glaube es ist wirklich auch der Corona-Pandemie zum Teil geschuldet.
00:33:53: Ich will überhaupt nicht verurteilen.
00:33:54: Ich habe ja selber zurzeit am RKI gearbeitet während der Corona-Pandemie und ich habe wirklich gesehen, dass dort sehr hart gearbeitet wurde.
00:34:01: aber wir hatten es auch mit einem Gegner zu tun, Covid, der uns gänzlich unbekannt war.
00:34:07: also bei so einer Situation gab's einfach noch nicht und wir haben zum Beispiel aus sehr früh gesagt, es wird Verschärfungen geben im Bezug auf Menschen die ärmer sind werden Betroffener sein.
00:34:16: das sah am Anfang ja nicht so aus.
00:34:18: Da hieß es ja auch mal vor dem Virus sind wir alle gleich.
00:34:21: Da haben wir schon gesagt, das wird nicht so sein!
00:34:23: Wir werden am Ende... Das wissen wir aus Influencer-Pandemien aus ganz vielen vorherigen Situationen kam dann ja auch so.
00:34:33: aber da denke ich also ich glaube ich befürchte dass wirklich allgemein einiges an Vertrauen verloren gegangen ist auch während der Corona-Pandemie und die Gesellschaft, seitdem sich einfach noch mehr gespalten hat.
00:34:47: Und das ist natürlich gesellschaftlicher Zusammenhalt.
00:34:50: Es etwas was eine total gesundheitsfördernde Ressource ist also wirklich ist auch belegt und deswegen wäre es wichtig aber das ist jetzt so ein großes Thema wäre es natürlich wichtig den zu fördern.
00:35:06: Also es ist interessant, dass Sie das ansprechen.
00:35:08: Es wird ja vielfach auf Brüche verwiesen die mit der Corona-Pandemie im Zusammenhang stehen.
00:35:14: ich glaube das ist in der Tat auch so.
00:35:18: könnte man diese Brüchen ein Stück weit wieder heilen indem man mal dieser Zeit in anderer Weise aufarbeitet als das bisher der Fall ist sozusagen auch darüber zu sprechen Wo hat man vielleicht auch Entscheidungen getroffen, die ihm nachhinein?
00:35:35: Niemand muss sich ja jetzt vorwerfen lassen.
00:35:37: Während dieser Phase alle möglichen Entscheidungen falsch getroffen zu haben weil sie haben es ja beschrieben Es war ein unbekannter Gegner und wir wussten nicht welche Auswirkungen hat am Ende dieses Virus.
00:35:49: Und man ist dann zurecht in Teilen auf Nummer sicher gegangen.
00:35:52: aber hinterher zu sagen okay an dieser oder jeden Stelle Hat man auch einen Fehler gemacht Da würde man jetzt anders agieren.
00:36:02: Ist es notwendig, um ein Stück weit so diese Wunden, die es da in der Gesellschaft gibt auch versuchen zu heilen?
00:36:09: Ich kann nicht einschätzen, ob das wirklich die Wunden in der Gesellschaft teilen würde.
00:36:13: Ich denke nur, dass es immer gut ist sozusagen eine Fehlerkompetenz sich einzugestehen und auch zu reflektieren was haben wir gemacht?
00:36:22: Was war gut oder was war nicht so gut?
00:36:24: wie würden wir's beim nächsten Mal machen?
00:36:25: Das passiert aber natürlich ja auch zum Teil.
00:36:28: Die Pandemieplanung wird ja überarbeitet um genau solche Themen mit zu integrieren also sowas wie soziale Ungleichheit auch in die Pandemieplanung schon mit aufzunehmen.
00:36:40: Da hatten wir zwei Forschungsprojekte zu, haben wirklich versucht das voranzutreiben und es ist auch angekommen.
00:36:47: also dass genauso was mit bedacht wird wäre wirklich wichtig.
00:36:53: aber ob wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt dadurch heilen können das weiß ich nicht weil ich gar nicht weiß ob alle Menschen sich nicht mehr so gesehen fühlen überhaupt zum Diskurs folgen würden?
00:37:03: Also das ist wahrscheinlich nicht so.
00:37:06: Alle werden man nicht gewinnen können.
00:37:08: Aber ich glaube, die Gesellschaft wieder ein Stück weit zusammenzuführen ist natürlich nicht nur Aufgabe derjenigen, die im Gesundheitsbereich Verantwortung tragen sondern ich glaube insgesamt erleben wir einen Auseinander trifften ob das Verhältnis zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und sagen mal einheimlicher Bevölkerung wenn man es mal so formuliert oder auch ärmeren anderen Schichten.
00:37:31: also es ist glaube ich schwierig geworden.
00:37:34: jetzt haben wir ja eine neue Situation auf der Bundesebene.
00:37:37: Wir haben mal wieder einen neuen Minister, ist das für Sie als Professorin eigentlich ein Thema wo sie sagen da ist irgendwie nochmal so ne Chance oder sagen wir machen hier unseren Job und haben die Hoffnung in Anführungszeichen dass sich irgendwas tut?
00:37:54: Oder blickt man auch nach Berlin.
00:37:57: Jetzt sitzen sie sowieso in Berlin, aber guckt man da aufs Ministerium und hat die Erwartung dass da jetzt vielleicht doch noch mal was passiert
00:38:06: Ich bin, also ich habe da jetzt nicht mehr so ein Zugriff.
00:38:10: Also das war bestimmt anders als ich am RKI gearbeitet hab aber ich bin natürlich trotzdem neugierig und ich verfolge natürlich die Diskurse und die Diskursen kommen auch bei mir in den... also erstens integriere ich sie.
00:38:21: wenn ich zum Beispiel Forschungsanträge schreibe ist es ja wichtig zu wissen was wird diskutiert und ich mache mir auch Gedanken und versuche das auch einzuschätzen weil ich das auch in der Lehre mit Studierenden der Gesundheitswissenschaften der sozialen Arbeiten ist immer Thema.
00:38:35: wir versuchen aktuelle Entwicklungen immer zu reflektieren und auch zu schauen, was wäre denn jetzt zum Beispiel eine gute Idee?
00:38:45: Pflegereform, steh ich vor.
00:38:47: Was wäre dann da machbar?
00:38:48: Wie könnte das funktionieren?
00:38:51: und ich kann mir auch gar kein komplettes Urteil erlauben.
00:38:55: aber ich denke es ist wichtig wenn in diesem Bereich tätig bin die politischen Entwicklungen immer mit zu verfolgen und natürlich auch wenn es Interesse gibt wenn es Gremien gibt sich dort auch zu beteiligen.
00:39:05: Es gibt ja eine Initiative bei der ich mir vorstellen könnte dass sie tatsächlich auch eine Chance bietet um das Thema Armut und Gesundheit noch mal ein Stück weit in eine positive Richtung zu bewegen.
00:39:17: Das ist das Thema der Primärversorgungssysteme, man will ja jetzt – das hat Frau Wagen auf den Weg gebracht – die Primär- versorgenstärken.
00:39:27: Sie haben gesagt es ist interessant dass die allermeisten Menschen einer Hausärztin einen Hausarzt haben.
00:39:34: aber Dieses Primärversorgungssystem soll ja noch mal was anderes sein, es soll ja nochmal mehr Steuerungfunktion und möglicherweise auch Präventionsaufgaben übernehmen.
00:39:45: Und da jetzt dieses offene Fenster vielleicht zu nutzen Denkt damit dran, wenn ihr das kreiert und es soll ja nicht nur ärztlich geleitet sein sondern sollen auch andere Fachkräfte beteiligt sein.
00:40:00: Denkt doch daran dass ihr vor allem dort wo die Probleme besonders groß sind diese Primärversorgungssysteme so ausstattet dass sie da auch einen Mehrwert bieten.
00:40:10: ist das ein Aspekt der von ihnen vielleicht auch durch internationale Erfahrung bestätigt werden kann.
00:40:18: Also was wir sehen ist, dass sozusagen Versorgungszentren in bestimmten... also so etwas wie es gibt das Gesundheitskoalektiv zum Beispiel in Neukölln ich weiß nicht ob Sie das kennen?
00:40:30: Das ist sozusagen im Rollberg-Kiez einem sehr benachteiligten Kiez und es ist sozusagen ein bisschen so einen One Stop Shop wo da gibt's medizinische Versorgung, da gibts Beratungen gibt es Psychologinnen und da gibt's auch Sprachmittlungen, also als Beispiel.
00:40:47: So was sind Teil- und aufsuchende Arbeit?
00:40:50: Also wenn solche Konzepte auch mit übernommen werden würden.
00:40:54: das ist natürlich etwas... Aber das ist ja noch ausgestaltungsfähig.
00:40:59: Und da gibt es aber natürlich auch viele, die versuchen in diese Richtung das zu verändern.
00:41:04: Ich kann das nicht so richtig einschätzen wie die Umsetzung wirklich sein soll.
00:41:10: Deswegen kann ich dann nur nicht einen ganz qualifizierten Kommentar abgeben.
00:41:14: Die Idee natürlich eine Bindung an bestimmte Strukturen, Ärzterhopping zu vermeiden und eine gewisse Bindung einer ärztlichen Ansprechperson.
00:41:27: Das ist ja ein Konzept das auch in vielen anderen Ländern.
00:41:30: Also sozusagen recht erfolgreich ist, also zum Beispiel eine hausärztliche Bindung und dann... Und da gibt es hier einige Krankenkassen haben das ja auch schon integriert.
00:41:39: Dass es sozusagen die Bindung an die Hausärztinnen gibt und dass das dann sozusagen mit Vorteilen für die Versicherten verknüpft ist.
00:41:51: Es ist ein breites Feld, es gibt viele Erkenntnisse.
00:41:54: Das haben wir glaube ich gelernt.
00:41:56: jetzt von Ihnen.
00:41:57: Die Fortschritte sind Ich formuliere das mal etwas noch nicht so, wie man sie sich wünschen würde.
00:42:03: Hoffentlich korrekt
00:42:04: eingehorset
00:42:06: und ich glaube wir sind alle gefordert.
00:42:08: jetzt vielleicht zum Abschluss die Frage in Richtung von uns als Krankenhäuser würden Sie uns etwas bei diesem Thema mit auf den Weg geben wo wir als Krankenhauser vielleicht nochmal ein Stück weit unsere Arbeit reflektieren sollten und unsere Möglichkeiten hier mehr Chancengleichheit zu schaffen?
00:42:30: Ja, klar.
00:42:31: Ich habe ja immer Ideen.
00:42:34: Was ich glaube und was wichtig ist, ist einfach das Thema auch mitzudrücken.
00:42:38: Denken, also in den verschiedenen Professionsgruppen.
00:42:42: Auch ob das in der Pflege ist, ob es in der medizinischen ärztlichen Versorgung ist mitzudenken.
00:42:49: Gesundheitliche Ungleichheiten sind etwas, die das besteht und das hat nicht immer... Die Menschen sind nicht selbst dran.
00:42:55: Also diese Schuldperspektive.
00:42:57: Und das klingt so trivial aber solche Themen sind in den Korikula nicht integriert und das wäre glaube ich gut da ein gewisses Verständnis um eine Neugier mitzubringen Und Menschen, also sowas sozusagen in der Fortbildung anzubieten.
00:43:12: Das ist glaube ich eine gute Idee und ich glaube ein Bewusstsein ist natürlich schon mal sehr, sehr sinnvoll.
00:43:21: und ansonsten was würde ich Ihnen noch mitgeben?
00:43:27: Ja, vielleicht wirklich zu versuchen auch mit Menschen zu sprechen um die es geht.
00:43:31: Mit Patientinnen aber das machen sie ja sowieso schon.
00:43:35: und zu fragen und da wissen wir auch wenn wir Menschen befragen erreichen wir immer vor allem die sich gut äußern können die anderen nicht so und da vielleicht nochmal Bemühungen zu haben die auch zu verstehen und zu schauen was könnten wir denn machen damit's besser läuft.
00:43:50: Aber ich glaube Wir sind da alle in der Verantwortung, aber die Hauptverantwortung sehe ich jetzt erst mal noch woanders.
00:44:01: Ja Frau Prof.
00:44:02: Höfner vielen Dank für das Gespräch.
00:44:04: es war wirklich interessant und ich glaube auch für die Zuhörerinnen ist deutlich geworden wir sind dann noch lange nicht an dem Punkt an den wir sein sollten auch sein könnten.
00:44:17: Und da ist Engagement, Aufmerksamkeit, Sensibilität erforderlich.
00:44:22: und wie Sie schon sagen.
00:44:25: Es geht auch nicht um die Schuldfrage sondern es geht um die Möglichkeit die eröffnet oder um die Möglichkeiten die man eröffnen muss und die Chancen die man gerechter verteilen muss um hier ein Stück weit auch für eine Verbesserung derjenigen zu sorgen die eben im Moment benachteiligt sind durch ihren sozialen Status auch gesundheitlich am Ende sogar in der Lebenserwartung.
00:44:47: Vielen herzlichen Dank!
00:44:49: Danke Ihnen für Ihre Fragen und die Gelegenheit, hier mit Ihnen zu sprechen.
00:44:55: Viel Erfolg weiterhin!
00:44:56: Ja danke Ihnen natürlich auch!